Josefswallfahrt

Josefswallfahrt

Warum wurde in Heiligkreuztal mit einer Josefswallfahrt begonnen?

Was hat das mit der Tradition der Zisterzienserinnen, die hier über 600 Jahre gelebt und gewirkt haben, zu tun und was mit der Stefanus-Gemeinschaft, die das Kloster seit 1972 wieder aufgebaut und zu ihrer geistlichen Heimat gemacht hat? Es gibt dafür vier Gründe:

  1. Der wichtigste Satz in der Heiligen Schrift heißt: Gott ist die Liebe (1 Joh 4, 8.16b). Als die zentrale christliche Glaubenswahrheit bekennen wir: Gott, der die Liebe ist, ist aus Liebe zu uns Mensch geworden als Jesus von Nazaret. In Jesus ist Gott, ist die Liebe, zur Welt gekommen und will in jedem/jeder von uns Mensch werden und in der ganzen Menschheit zur Welt kommen. Das Leben Jesu ist das Modell, von ihm sollen wir die Liebe lernen,  und da kommen seine Eltern Maria und Josef, in den Blick und  die sozialen, die religiösen, die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten ihrer Zeit.
  2. Die Zisterzienser haben ihre Klöster und ihre Ordensgemeinschaft definiert als Schule der Liebe, „schola caritatis“, als Schule der Gottes- und der Nächstenliebe. Bernhard von Clairvaux, der  maßgebende geistliche Lehrer in der Gründungszeit des Zisterzienserordens, hat das Thema Menschwerdung theologisch vorangebracht. Er hat in seinen Predigten die Bedeutung und das Vorbild des heiligen Josef betont und auf seine Verehrung großen Wert gelegt.
    Alfred Lange, der Gründer der Stefanus-Gemeinschaft, hat die Stefanus-Gemeinschaft definiert als „Laienschule der katholischen Aktion“ mit dem Auftrag durch Bildungsarbeit mitzuwirken am Aufbau einer Kultur der Gottes- und der Nächstenliebe, um so die Welt zu verchristlichen.
  3. Beim Thema Menschwerdung ist es in der Geschichte der Frömmigkeit aus verschiedenen Gründen zu einer Fixierung auf Maria, die Mutter Jesu und zu einer Vernachlässigung des heiligen Josef gekommen. Sehr zum Schaden einer Identifikation der Männer mit dem Glaubensgeheimnis der Menschwerdung.  Die 14 Stationen der Menschwerdung der Liebe Gottes, betrachtet mit den Augen und dem Herzen des heiligen Josef, gestaltet von Raul Castro, wollen diesen Mangel beheben.
  4. Die christliche Glaubenswahrheit, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, hat in der Frömmigkeitsgeschichte des westlichen Christentums im zweiten Jahrtausend intensive und umfangreiche Überlegungen und Diskussionen über das wahre Menschsein gezeitigt und zu mystischen Einsichten geführt, z. B. bei Thomas von Aquin:
    „Eine größere Ehre kann Gott einem Menschen nicht erweisen als, dass er einen Mann erwählt für ihn Vater zu sein und eine Frau erwählt für ihn Mutter zu sein. Gott, der die Liebe ist und das Leben, wollte Mensch werden und als Kind zur Welt kommen und er erwählte sich Josef als Vater und Maria als Mutter. Eine höhere Berufung und eine größere Würde als die Elternschaft für Gott und als Elternschaft in seinem Namen kann nicht gedacht werden.“

Die Josefskrippe in Heiligkreuztal will heutigen Eltern diese Berufung und diese Würde für unsere Zeit erschließen und nahe bringen.